Dem „Kölner Stadtanzeiger“ sind wir dankbar, dass er einen informativen Artikel über den Stand der Umbenennung des sog. Eierplätzchens in „Dieter-Wellershoff-Platz“ veröffentlicht hat. Danach sieht es leider nicht gut aus mit dem von der Tochter Irene Wellershoff initiierten Anliegen, das von uns und vielen anderen unterstützt wird.
Leider wird in der Unterüberschrift der Eindruck erweckt, es gehe bei dem Vorgang vor allem um „ die NS-Jahre des Schriftstellers“. Damit werden Assoziationen hergestellt, die Wellershoff als potentiellen Anhänger der Naziherrschaft erscheinen lassen. Ihm erging es wie einer Reihe anderer Prominenter und Intellektuellen, von denen Aufnahme-Anträge in die NSDAP auftauchten, die die angeblichen Antragsteller nie gesehen hatten. Ähnlich wie Wellershoff erging es Persönlichkeiten wie Dieter Hildebrandt, Hans-Werner Henze, Martin Walser, Tankred Dorst, Siegfried Lenz, Hans-Dietrich Genscher und vielen anderen. Alles ehemalige Nazis?
Wahrscheinlich ist es gegen Kriegsende zu massenhaften Rekrutierungen ohne persönliche Beteiligung der Betroffenen gekommen. So die Einschätzung Wellershoffs im Gespräch mit dem KStA, der man bis zum Beweis des Gegenteils durchaus glauben kann, da Wellershoff sich stets sehr offen über die damaligen Ereignisse geäußert hat.
Fakt ist, dass Wellershoff sich als 17jähriger freiwillig zur Panzerdivision „Hermann Göring“ gemeldet hat, die nachweislich Kriegsverbrechen in Italien verübt hat. Daran war Wellershoff allerdings nicht beteiligt, weil er zu dem Zeitpunkt bereits nach Berlin beordert und danach an die ostpreußisch-litauische Grenze versetzt wurde. Diesen Sachverhalt hat Wellershoff mehrfach dargestellt; u.a. in „Der Ernstfall“ oder in der Laudatio für Hannes Heer, dem Initiator der „Wehrmachtsausstellung. Allein aus diesen Texten wird deutlich, dass Wellershoff sich stets zu seiner „Verstrickung ins Kriegsgeschehen“ geäußert hat. Ebenso klar hat er aber stets betont, sich nie an Massakern an der Zivilbevölkerung oder Erschießungen von Deserteuren beteiligt zu haben.
Jetzt soll sich das NS-Dokumentationszentrum Köln auf Bitten der Tochter noch einmal mit dem Fall beschäftigen, um Klarheit zu schaffen. Das wird ca. vier Monate in Anspruch nehmen, so dass mit einer Lösung des Problems in absehbarer Zeit wohl kaum zu rechnen ist. Schade! – eine verpasste Gelegenheit, einen großen Schriftsteller und verdienten Kölner Mitbürger angemessen zu ehren.
Bildquelle: Wikipedia, Bodow, CC BY-SA 4.0